„Unterwegs bei Kriegsende: KZ-Landschaften am Beispiel der Konzentrationslager Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen“

Seminar für interessierte Erwachsene vom 18. bis 22. Mai 2015

Im öffentlichen Bewusstsein befanden sich die NS-Konzentrationslager irgendwo im Osten Europas oder hinter Bergen und Wäldern versteckt. Tatsächlich aber bildeten sie insbesondere im letzten Kriegsjahr 1944/45 ein dichtes Netz von bis zu 1000 Haupt- und Außenlagern, das sich über das gesamte Deutsche Reich und die besetzten Nachbarländer erstreckte. Den Wechselwirkungen zwischen den Lagern, ihrem gesellschaftlichen Umfeld und ihren Folgen in der Nachkriegszeit widmet sich ein Seminar, das exemplarisch die Region zwischen Harz und Lüneburger Heide in den Blick nimmt. Hier befanden sich 1944/45 fast 100 KZ-Außenlager. Spätestens mit den sogenannten Todesmärschen im April 1945 war das KZ-System mit einer letzten Gewalteskalation für nahezu jeden Deutschen sichtbar: Die Region zwischen Harz und Heide war zu einer von Inseln zivilen Lebens durchsetzten ausgedehnten KZ-Landschaft geworden. Während des Seminars lernen die Teilnehmenden fünf verschiedene Orte kennen. Sie erhalten Einblick in das damals flächendeckende Lagernetz und die breite gesellschaftliche Durchdringung des KZ-Systems. Einen wichtigen Zugang zur Lagergeschichte bilden Häftlingsbiographien. Die persönliche Sicht der Gefangenen wird die fünf Seminartage in Form von Erinnerungsberichten begleiten. Ein zentrales Anliegen des Seminars ist die Frage nach dem „Danach“. Wie lebten die befreiten KZ-Häftlinge weiter? Wie gingen die Alliierten nach der Beendigung des Krieges mit den ehemaligen Lagern und ihren Bewachern sowie mit den Spuren entlang der Todesmarschrouten um? Wie entwickelten sich die Erinnerung an die NS-Geschichte und die Geschichte der Lager im geteilten, später im wiedervereinigten Deutschland? Und schließlich: Welche Bedeutung hat die Auseinandersetzung mit diesen Aspekten für uns? Wie wollen wir uns heute erinnern?

An fünf historischen Orten setzen sich die Teilnehmenden mit den Inhalten des Seminars auseinander:

Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora steht als Beispiel für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg. Mehr als 60.000 Menschen aus fast allen Ländern Europas mussten zwischen 1943 und 1945 in den 39 Lagern des KZ-Komplexes Zwangarbeit leisten. Kurz vor dem Heranrücken der amerikanischen Truppen im April 1945 räumte die SS die Lager und trieb die meisten der noch verbliebenen Häftlinge in Transportzügen oder zu Fuß in andere Lager – überwiegend in das KZ Bergen-Belsen.

Die Mahn- und Gedenkstätte in Gardelegen erinnert an das grausame Ende zweier Todesmärsche aus dem KZ Mittelbau-Dora und den Hannoverschen Außenlagern des KZ Neuengamme.

Bei Wienhausen wurden am 8. April 1945 KZ-Häftlinge in einem Massengrab neben der Bahnstrecke verscharrt. Sie waren auf einem Räumungstransport vom KZ Mittelbau-Dora in das KZ Bergen-Belsen aufgrund von Hunger und Krankheiten ums Leben gekommen.

In Celle geriet ein Transportzug mit rund 3000 KZ-Häftlingen ebenfalls am 8. April 1945 in einen US-amerikanischen Luftangriff.

Hunderte starben durch die Bomben und in einem anschließenden Massaker, das Einheimische an flüchtigen Häftlingen verübten. Mehr als 2000 Gefangene trieb die SS zu Fuß weiter in das KZ Bergen-Belsen.

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen erinnert an die Geschichte zum einen des Kriegsgefangenen- und zum anderen des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Bereits seit Juni 1940 hatte die Wehrmacht ein Kriegsgefangenenlager angelegt. Im April 1943 übernahm die SS einen Teil des Geländes als sogenanntes „Austauschlager“ für jüdische Häftlinge. In der Folge änderten sich der Charakter des Lagers und vor allem die Lebensbedingungen der Häftlinge dramatisch. Bis April 1945 entwickelte sich Bergen-Belsen zum Zielort für zahlreiche Räumungstransporte aus anderen Konzentrationslagern und zum Sterbelager.

Ablauf des Seminars

Das Seminar beginnt am Montag, 18. Mai 2015, 14 Uhr und endet am
Freitag, 22. Mai 2015 nach dem gemeinsamen Mittagessen gegen 13.30 Uhr.

Montag, 18. Mai 2015 und Dienstag, 19. Mai 2015
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Kennenlernen des historischen Ortes und der Geschichte des KZ Mittelbau-Dora: Außengelände, Stollenanlage, Ausstellung; Besuch von Teil 1 der Sonderausstellung Zwischen Harz und Heide. Räumungstransporte und Todesmärsche im April 1945

Mittwoch, 20. Mai 2015
Fahrt nach Gardelegen, Wienhausen und Celle

Fahrt durch die ehemalige KZ-Landschaft: Hinweise und Ausführungen an historischen Orte
Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Gardelegen
Besuch von Wienhausen und dem Ort des Luftangriffes auf den Güterzug in Celle

Donnerstag, 21. Mai 2015
Gedenkstätte Bergen-Belsen

Kennenlernen des historischen Ortes und der Geschichte des Lagers Bergen-Belsen: Rampe, historisches Lagergelände, Ausstellung, ehemaliges Displaced Persons-Camp; Besuch von Teil 2 der Sonderausstellung Zwischen Harz und Heide. Räumungstransporte und Todesmärsche im April 1945

Freitag, 22. Mai 2015
Celle

Was kam nach der Befreiung?
Was wurde aus den überlebenden Häftlingen?
Was wurde aus den Bewachern und aus den Tat-Orten?
Wie wollen Sie sich erinnern?

Dieses Bildungsangebot richtet sich an Erwachsene, die sich mit der Geschichte der NS-Konzentrationslager und ihrer Gegenwart in der heutigen Erinnerungskultur vertiefend auseinandersetzen möchten.
Das Seminar ist in Niedersachsen als Bildungsurlaub anerkannt.
Die Seminarkosten betragen 340 €. Darin enthalten sind die Kosten für Unterkunft im Einzelzimmer und Vollverpflegung sowie die Transferfahrten zwischen den Orten und den Unterkünften.
An- und Abreise organisieren die Teilnehmenden selbst.
Die Unterbringung erfolgt in Hotels in Nordhausen und Celle.
Wir empfehlen Ihnen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Anmeldung
Die Anmeldung ist mit den Angaben von Adresse, E-Mail, Telefonnummer bis zum 4. Mai möglich. (Möchten Sie an diesem Seminar im Rahmen des Bildungsurlaubs teilnehmen, melden Sie sich bitte bis 17. April an.)

KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Brita Heinrichs
Kohnsteinweg 20
99734 Nordhausen

Tel.: +49 (0) 3631 – 49 58-22
Fax: +49 (0) 3631 – 49 58-13
bheinrichs@remove-this.dora.de
www.dora.de 

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