Erster Strafprozess in Lüneburg

Fünf Monate nach der Befreiung von Bergen-Belsen begann in Lüneburg der als Belsen-Prozess bekannt gewordene erste Kriegsverbrecherprozess in Deutschland. Zwanzig SS-Männer, sechzehn KZ-Aufseherinnen und zwölf Funktionshäftlinge mussten sich ab dem 17. September 1945 vor einem britischen Militärgericht verantworten. Die Richter, Ankläger und fast alle Verteidiger waren Offiziere der britischen Armee. 

Der Belsen-Prozess war gleichzeitig der erste Prozess zum Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und zum KZ Mittelbau-Dora. Da ein großer Teil der Angeklagten sowohl zur Lagermannschaft in Auschwitz und Mittelbau-Dora als auch in Bergen-Belsen gehört hatte, wurden die in den drei Lagern und während der Todesmärsche nach Bergen-Belsen begangenen Verbrechen gemeinsam verhandelt. Auch viele der Überlebenden, die bei dem Prozess als Zeugen aussagten, waren sowohl in Auschwitz und Mittelbau-Dora als auch in Bergen-Belsen inhaftiert gewesen. 

Am 17. November 1945 verkündete das Gericht die Urteile: elf Angeklagte wurden zum Tode, neunzehn zu Freiheitsstrafen verurteilt, vierzehn freigesprochen. Die Todesurteile wurden am 13. Dezember 1945 im Zuchthaus Hameln vollstreckt.

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1. Der erste Bergen-Belsen-Prozess wurde in einer Turnhalle in Lüneburg verhandelt. Imperial War Museum, London, Photograph Archive, BU 10374

2. Die Angeklagten im Bergen-Belsen-Prozess Hertha Ehlert, Irma Grese und Ilse Lothe am 17. September 1945 (von links nach rechts). picture alliance / AP Photo, Frankfurt am Main